Gute zehn Tage vor unserer Regatta erfuhr ich von unserem Sportwart Rolf Weber zufällig beim allwöchentlichen Klönschnack im Club, dass er mit seiner frisch Angetrauten zwei Tage später nach Venedig reisen würde. Ergo: Er wäre nicht an der „Schängelregatta“ anwesend und habe zudem Zeitnot, diese im Vorfeld zu organisieren. Spontan erklärte ich mich bereit, dies mit seiner Schützenhilfe per Telefon zu übernehmen.

Nachdem Friedrich Siebeck als Regattaleiter mit allen Helfern in den Startlöchern stand und 12 Dyas-Mannschaften gemeldet hatten, konnte ich mit Shorty, Conny und Micha entspannt am Freitagabend unsere beiden auswärtigen Crews vom Rursee (Strankys und Schorm/Sacha) im YCRM in Empfang nehmen. Beim Abendessen bemerkte Silke: „Jetzt kommen wir schon das 15. Mal zu euch an die Mosel, haben aber noch nie Koblenz gesehen.“

Dem konnte sofort Abhilfe geschaffen werden! Während Hildegard und Roger ihren Hund um die vier Ecken des Clubgeländes führten, taten wir dies mit Jörg und Silke in der Koblenzer Altstadt. So lernten die beiden außer den kulturellen und gastronomischen Sehenswürdigkeiten endlich auch mal unser Wahrzeichen kennen: Das „Kowelenzer Schängelchen“. Der Lausbubenfigur, die auf einem vor dem Rathaus platzierten Brunnen steht und die Touris mit Wasser bespuckt, blieb aber entgegen unserer Erwartung beim Anblick von Silke und Jörg die Spucke weg. Glück gehabt!
Samstag – bei sonnigem Wetter mit frühsommerlichen Temperaturen und damenfreundlichem Wind bis maximal 3 Bft. ließ Friedrich nahezu pünktlich das Dyas-Feld an den Start gehen, den er aber in der letzten Minute wegen eines entgegenkommenden Frachters abbrach. Bei Erreichen der Startlinie hätte dieser doch glatt einen Nullstart gehabt! Das war keinem von uns bei einem der Starts zu insgesamt drei Wettfahrten, die an diesem Tag stattfanden, gelungen. Dafür gab es andere Begebenheiten auf der Piste, auf der immerhin zwei Mannschaften ihr Regattadebüt hatten: Zum einen die Jugendcrew Robin Czukowski/Lucas Hewel aus Oberfell. Robin, der an der Vorschot bei Rolf Weber Erfahrungen gesammelt hatte, steuerte erstmalig seine eigene Fritzmeier-Dyas, die er im vergangenen Herbst erworben und über den Winter in Eigenarbeit refitet hatte. Zum anderen das Frauenpowerteam Ulrike Tabbert mit Tochter Sabine an der Pinne, die aufgrund ihrer Jollenregattaerfahrung vor dem Start ihrem auf einem der Sicherungsboote begleitenden Vater die Alphaorder erteilt hatte: „Papa, halt‘ dich da raus!“
Der erste Lauf wurde allgemein ohne nennenswerte Ereignisse beendet. Im zweiten ereilte mich auf der vorletzten Kreuz im Trapez das Schicksal. Ohne Vorwarnung riss die Dynemaleine und ich durfte an der Vorschot hängend baden. Da ich durch meine aufgeblasene Automatikweste bewegungsunfähig war, stellte Shorty kurzerhand die Fock back und zog mich wie einen geangelten Walfisch ins Boot. Lediglich nur zwei Plätze verloren, also weiter bis ins Ziel, um noch flugs vor dem dritten Lauf das Trapez zu reparieren und mich trocken zu legen. Trocken, aber hoch, lagen schließlich auch Hildegard und Roger, die mit ihrer „Leda“ eines der Wassergrundstücke gepachtet hatten und von einem Begleitboot befreit werden mussten. Leider zog sich „Leda“ eine Verletzung am Kiel zu, die einer späteren Behandlung durch Dr. Shorty bedurfte.
Bevor sich alle Regattateilnehmer zum gemeinsamen Abendessen ins Clubhaus begaben, konnten wir auf der noch sonnigen Nussbaumwiese den akuten Durst und Hunger mit Hopfenkaltschale und Schmalzbroten stillen.

Sonntag – Startbereitschaft ab 10 Uhr. Letztlich fiel erst um 11.15 Uhr der Startschuss zur vierten Wettfahrt mit leichtem Wind und Sonne. Auf Spikurs in der zweiten Runde fiel mein Blick auch unweigerlich in den Himmel, an dem eine zunehmend dunkle Wand aufzog. „Jens, da kommt ein Gewitter!“ – „Papperlapp, das zieht an uns vorbei!“ Denkste – kurz vor der Leetonne setzten schlagartig heftige Böen mit Regen ein. Wir schafften es gerade noch ohne Probleme den Spi zu bergen und auf die Kreuz Richtung Ziellinie am Club zu gehen. Rolf Schmidt mit Uli Weiland war dies nicht so gut gelungen und fuhren bei diesem Manöver über ihren Spi. Peter Schaffranek, Vorschoter von Michael Luy jun., legte indessen auf der Kreuz einen Stunt ein. Da die Länge des Trapezdrahtes nicht mehr ausreichte, sprang er beherzt ins Segel. Als wir mit „Kermit“ über die Ziellinie gingen, hofften wir auf Bahnverkürzung. Doch dem war nicht so, Friedrich ließ laufen. Also steuerten wir wie die anderen die Liegeplätze an, da nicht abzusehen war, wie lange Petrus es noch blasen lassen würde. Lediglich drei kernige Männercrews hielten unbeirrt durch - mit Erfolg, denn vor ihrem Zieleinlauf ging dem Gewitterwind zunehmend die Puste aus. C’est la vie!
Mir persönlich imponierte, wie die „Damencrew“ ihre erste gemeinsame Dyas-Regatta auch bei diesem starken Wind gemeistert hatte und ich sah auch in Hans-Peter Tabberts Gesicht Stolz auf den gesamt 6. Platz seiner „Mädels“.

Für die Siegerehrung auf der Clubterrasse herrschte wieder sonnige Flaute. Gratulation an Heinz-Georg Monreal mit Sohn Jannik, den Gewinnern der „Schängel-Regatta“, gefolgt von Jörg und Silke Stransky sowie Michael Luy und Peter Schaffranek auf Platz drei.

Sylvia Leicher